|
Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit
Eine Schwangerschaft ist eine außerordentliche Erfahrung für eine Frau. Dabei verändert das Heranwachsen eines kleinen Menschenkindes den weiblichen Körper nicht nur äußerlich, sondern beeinflusst auch das Stoffwechselgeschehen und die körperliche sowie die emotionale Befindlichkeit. Schwangere Frauen sind von Natur aus sensibler gegenüber Gerüchen und entwickeln nicht selten Vorlieben und Abneigungen für ganz unterschiedliche Speisen. Das Essen spielt in der Schwangerschaft eine große Rolle. Ihr Speiseplan sollte den Grundlagen einer ausgewogenen Ernährung folgen, wobei Sie Ihren Vorlieben durchaus einen gewissen Platz einräumen können. Die Gesamtgewichtszunahme sollte sich insgesamt in dem Bereich 9-15 kg bewegen. Als Faustregel gelten 300 - 400 g/Woche oder 1- 1,5 kg/Monat. Erst ab dem 4. Monat besteht tatsächlich ein Mehrbedarf von etwa 255 kcal/Tag.
Beispiele für 255 kcal sind etwa:
- 1 Stück Apfelkuchen + 1 Tasse Milchkaffee,
- 100 g Kabeljau + 200 g Salzkartoffeln,
- Müsli aus 40 g Haferflocken + 1 Naturjoghurt + ½ Apfel,
- 1 Glas Milch + 1 Banane + 1 EL Nüsse
- oder 1 Käsebrot.
Viele Schwangere nehmen heute durchschnittlich mehr zu als früher. Das Geburtsgewicht der Kinder und der Fettanteil des kindlichen Gewebes sind bereits im Säuglingsalter höher als in früheren Zeiten (Ernährungsbericht 2008). Der kindliche und der mütterliche Stoffwechsel sind während der Schwangerschaft eng miteinander verbunden, so dass sich beide gegenseitig beeinflussen. Dieses Zusammenspiel prägt die Grundeinstellungen des kindlichen Stoffwechsels auch für das spätere Leben (pränatale Programmierung).
Die wirkungsvollste Vorsorge, die Sie für sich und Ihr Kind treffen können: Achten Sie auf eine maßvolle Gewichtszunahme, reduzieren Sie weitestgehend den Alkoholgenuss und verzichten Sie auf Nikotin.

Darüber hinaus wird ein nur mäßiger Genuss von Koffein und Süßstoffen empfohlen. Listerien und Toxoplasmen sind Bakterien bzw. Einzeller, die für das ungeborene Kind eine Gefahr darstellen können. Sie sind enthalten in rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch oder Fisch (z. B. kalt geräucherter Lachs, Vakuumverpacktes), geräucherten Meeresfrüchten, Rohwurst (Salami, Mettwurst, vakuumverpackte Brühwürste), Rohmilchprodukten (Käse) und rohen Eiern. Leber sollte wegen des hohen Vit. A Gehaltes im ersten Drittel der Schwangerschaft gemieden werden. Wegen der möglichen Schadstoffbelastung, die aber in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist, wird Schwangeren empfohlen Leber nur 1-2 x im Monat zu verzehren. Aus dem selben Grund sollten Fische, die einen erhöhten Quecksilbergehalt aufweisen können nicht häufig verzehrt werden: Dazu gehören Thunfisch, Hai, Barsch, Aal, Heilbutt, Rotbarsch, Hecht und Seeteufel.
Inzwischen empfehlen viele Frauenärzte bei Kinderwunsch schon im Vorfeld Folsäure als Supplement, da durch einen zu geringen Gemüseverzehr sehr viele Frauen in Deutschland nicht ausreichend versorgt sind und ein Mangel schwerwiegende Folgen für die frühe Neuralrohrentwicklung (Gehirn und Rückenmark) des Kindes haben kann.
Insgesamt gelten auch für Schwangere die Empfehlungen für ausgewogene, maßvolle Ernährung: Achten Sie darauf, dass Sie täglich Lebensmittel aus allen wichtigen Lebensmittelgruppen essen und trinken:
reichlich: Getränke: 1,5 – 2 l/Tag in Form von Wasser, Früchtetees, Kräutertees, evtl. stark verdünnte Saftschorlen, 2-3 Tassen Kaffee oder Schwarztee sind in der Regel unbedenklich Brot, Getreideprodukte (eher Vollkorn als Weißmehl), Kartoffeln 3 Portionen Gemüse (roh, gegart oder als Blattsalat) und 2 Portionen Obst/Tag
maßvoll: Milch, Milchprodukte (Joghurt, Quark, Käse): 1 Glas Milch + 1 Joghurt + 2 Scheiben Käse Fleisch (2-3x/Woche), Wurst, Fisch (1-2x/Woche), Eier (2-3 Stück/Woche)
wenig: Pflanzenöle (2 EL), Streichfett (1 EL) Süßwaren, süße und fette Backwaren
Die Lust auf Süßes ist bedingt durch eine erhöhte Insulinausschüttung in der Schwangerschaft. Beugen Sie vor durch 5 kleine Mahlzeiten am Tag mit Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und Milchprodukten. Trinken Sie ausreichend. Befriedigen Sie die Süßlust lieber mit:
|
1 Glas Kakao
|
anstatt
|
Schokolade
|
|
1 Becher Joghurt
|
anstatt
|
Kuchen
|
|
1 Glas Saftschorle
|
anstatt
|
Bonbons
|
|
und einem mäßigen Verzehr von Süßwaren.
Mehrbedarf an Nährstoffen
Während der Schwangerschaft besteht bei einigen Nährstoffen durchaus ein Mehrbedarf, den Sie mit einer ausgewogenen Ernährung mit Gemüse, Obst, Nüsse, Vollkornprodukten, Kartoffeln, Milchprodukten, Eiern, magerem Fleisch, Fisch und Pflanzenölen decken können.
- Der Eiweißbedarf ist erhöht: 1,3 g/kg Körpergewicht gegenüber 0,8 g/kg Körpergewicht.
Gute Eiweißlieferanten sind:
- Tierische Lebensmittel: Eier, Milch, Käse, Fisch, Fleisch, Wurst
- Pflanzliche Lebensmittel: Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte
- Gute fleischlose Kombinationen sind:
Kartoffeln + Hühnerei oder Milch Vollkornbrot + Käse Getreideflocken + Milch Hülsenfrüchte + Getreide Linsensuppe + Quarkdessert Hirse + Soja Mais + Bohnen
- Mineralstoffe: Calcium, Eisen, Jod, Magnesium
- Calcium: 1000 - 1200 mg/Tag
0,2 l Milch + 150 g Joghurt + 60 g Hartkäse
- Magnesium: 310 mg/Tag
2 Scheiben Vollkornbrot + 20 g Nüsse + 2 Kartoffeln + 150 g Fisch + 150 g Mangold + 1 Banane + 1 Portion Erdbeeren
- Mineralwasser mit mehr als 150 mg Calcium/l und mehr als 50 mg Magnesium/l
- Eisen: 30 mg/Tag
Fleisch, Wurst, Fisch, Ei, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse, Schwarzwurzel, Möhren, Broccoli, Fenchel, Nüsse, Trockenobst, Beerenobst, Kräuter
- Jod: 230 μg/Tag
jodiertes Speisesalz, 2 x Seefisch/Woche als Filet oder in Dosen, Käse, Milch, Pilze, Erdnuss, Sesam, Feldsalat
- Vitamine
Der Vitaminbedarf kann durch die beschriebene ausgewogene Ernährung gedeckt werden. Vollkornbrot hat’s in sich: 2 Scheiben Vollkornbrot enthalten so viel: Vitamin B1 = 5 Weißbrötchen Vitamin B2 = 9 Weißbrötchen Vitamin B6 = 18 Weißbrötchen Ballaststoffen = 4 ½ Weißbrötchen Eisen = 3 ½ Weißbrötchen
Allergieprävention
- Die beste Allergieprävention ist ein Lebensstil mit
ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung an frischer Luft und ausreichendem Schlaf.
- Einseitige Lebensmittelauswahl birgt die Gefahr der Mangelernährung.
- Das Kind ist zunächst geschützt vor möglichen Allergenen.
- Hauptallergieauslöser ist Zigarettenrauch (auch für Passivraucher).
|
|
In der Stillzeit besteht ein höherer Mehrbedarf als während der Schwangerschaft.
- Langsame Steigerung der Milchmenge
in den ersten Tagen 10 ml/Mahlzeit 2. - 5. Tag 40 ml/Mahlzeit am Ende der Stillzeit ca. 800 ml/Tag
- Zusätzlicher Bedarf von 635 kcal/Tag in den ersten 4 Monaten
- danach 525 kcal/Tag Mehrbedarf
Sie können die ausreichende Milchbildung unterstützen durch
- Ausgewogene Ernährung
- 2-3 l Flüssigkeit/Tag: Wasser, Tee, Saftschorle, Malzbier, Caro-Kaffee
- Eiweißhaltige Ernährung: 2 g Eiweiß/kg Körpergewicht, keine Supplemente
- Kein erhöhter Fettbedarf, wichtig ist eine ausreichende Zufuhr an -3-Fettsäuren:
Fisch, Nüsse, Öle (Raps, Oliven, Soja, Walnuss) Beispiel: 1,4 g -3-FS: 10 g Leinsamen, 20 g Walnüsse oder 100 g Lachs
- Getreideprodukte unterstützen die Milchbildung besonders wirksam sind Hafer und Gerste
- Ausreichend Ruhezeiten
Wie viel Verzicht muss sein während der Stillzeit?
- Nicht rauchen
- Alkohol in moderaten Mengen (1 kleines Glas Sekt oder Wein) ist erlaubt:
am Besten kurz nach dem Stillen
- Mäßiger Genuss von Süßwaren
- Mäßiger Genuss von koffeinhaltigen Getränken
- weniger ist mehr
Mein Essen dein Essen
- Muttermilch verändert ihren Geschmack je nachdem, was Sie gegessen haben.
- Der Nutzen einer allergenarmen Ernährung zur Vorbeugung ist noch nicht nachgewiesen.
- Obst führt nicht unbedingt zu Wundsein.
- Kohl, Lauch und Hülsenfrüchte können, müssen aber nicht, zu Blähungen führen.
- Lassen Sie nur Lebensmittel weg, die wirklich Symptome bei Ihrem Kind auslösen.
Wenn doch noch überflüssige Pfunde vorhanden sind:
- Keine Extremdiät in der Stillzeit
- Sie brauchen Kraft und eine ausreichende Versorgung für Ihren Körper.
- Essen sollte aber nicht zur Ersatzhandlung werden
- Eine moderate Gewichtsabnahme schadet nicht: 0,5 – 1 kg /Monat
- Ausgewogene Ernährung mit angemessenen Portionen
- Wenn Ihr Gewicht auch nach der Stillzeit noch nicht im Normalbereicht ist, dann können Sie jetzt die überflüssigen Pfunde gezielt in Angriff nehmen.
|